Anfrage zu Militärurkunde verliehen vom preußischen König

Hallo liebe Mitforscher,

in meinen Familienunterlagen habe ich eine Militärurkunde meines Altgroßvaters mit folgendem Text gefunden:

"Besitz Zeugnis

Nachdem der Grenadier Peter Chr. Tangermann bei dem Königlichen 1. Garde-Regiment z. Fuß in der Zeit vom 1. März 1848 bis 1. October 1849 pflichttreu gedient und auch seitdem die Treue zu dem Könige und gute Gesinnung bewährt hat, haben Seine Majestät der König zu befehlen geruht, daß demselben die unter dem 23 August 1851 Allerhöchst gestiftete Denkmünze für wirkliche Kombattanten verliehen wird.
Aschersleben, den 13ten September 1852
von Lagerström
Major und Commandeur des 3. Bataillons
(Aschersleben) 27. Landw.-Regts."

Die Münze lässt sich nicht finden, nur die Urkunde ist noch da.
Nun liegt Aschersleben nicht in Schlesien sondern in Sachsen-Anhalt und gehörte ehemalig zur preußischen Provinz Sachsen. Da aber beides preußisch war, hoffe ich, doch vielleicht hier Auskunft zu finden. War das eine Allerweltsauszeichnung oder schon etwas besonderes? Weiß jemand wie es zur damaligen Zeit mit dem Wehrdienst in Preußen aussah?

Sonnige Grüße
Stephan

Stephan H�rtel schrieb:

in meinen Familienunterlagen habe ich eine Milit�rurkunde meines Altgro�vaters mit folgendem Text gefunden:

"Besitz Zeugnis

Nachdem der Grenadier Peter Chr. Tangermann bei dem K�niglichen 1. Garde-Regiment z. Fu� in der Zeit vom 1. M�rz 1848 bis 1. October 1849 pflichttreu gedient und auch seitdem die Treue zu dem K�nige und gute Gesinnung bew�hrt hat, haben Seine Majest�t der K�nig zu befehlen geruht, da� demselben die unter dem 23 August 1851 Allerh�chst gestiftete Denkm�nze f�r wirkliche Kombattanten verliehen wird.
Aschersleben, den 13ten September 1852
von Lagerstr�m
Major und Commandeur des 3. Bataillons
(Aschersleben) 27. Landw.-Regts."
  

Hallo Stephan,

    27. Landwehr-Regiment, *1849 im Gro�herzogtum Baden*;
    1. Bat. (Halberstadt), 1848 Major v.L�BTOW, 1849 Major
    v.ROHRSCHEIDT, vor Rastatt und Ausfallgefecht bei Rheinau.
    2. Bat. (Halle), 1848 Major v.BECZWARZOWSKY, 1849 Major
    v.ALVENSLEBEN, 1850 Major v.WINNING,' Treffen an der Murg;
    3. Bat. (Aschersleben), 1848 Major v.CIESIELSKI, 1850 Major
    v.LAGERSTR�M, Gefecht am Federbach u. Hirschgrund

Das Gefecht am Federbach und im Hirschgrund bei Rastadt war Teil des Feldzuges in Baden 1849. Das Unternehmen richtete sich gegen keinen �u�eren Feind sondern diente der Niederschlagung der "Badischen Revolution" ( Badische Revolution – Wikipedia ), an der auch Friedrich ENGELS beteiligt war (siehe www.mlwerke.de/me/me06/me06_524.htm ). Eine Schilderung des Gefechtes aus preu�ischem Blickwinkel gibt es im Band 2 des Buches "Tagebuch �ber die Ereignisse in der Pfalz und Baden im Jahre 1849 - ein Erinnerungsbuch f�r die Zeitgenossen und f�r Alle, welche Theil nahmen an der Unterdr�ckung jenes Aufstandes" von Oberst-Lieutenant a.D. Daniel STAROSTE, Potsdam 1853. Sie finden es im Volltext in der Google-Buchsuche.

Ihr Altgro�vater hat die Gedenkm�nze ja v.a. f�r seine K�nigstreue erhalten :wink: .
Auf der anderen Seite standen �brigens noch mehr bekannte Sozialisten: der am 31.7.1849 in Freiburg hingerichtete Johann Maximilian [Max] DORTU ( Maximilian Dortu – Wikipedia ), Gustav [von] STRUWE ( Gustav Struve – Wikipedia ) und v.a. der ber�hmte Friedrich HECKER ( Friedrich Hecker – Wikipedia ), der nach Amerika auswandern musste und als Offizier am amerikanischen B�rgerkrieg teilnahm.

Gr��e vom Niederrhein,
G�nther B�hm

Stephan H�rtel schrieb:

Hallo liebe Mitforscher,

in meinen Familienunterlagen habe ich eine Milit�rurkunde meines Altgro�vaters mit folgendem Text gefunden:

"Besitz Zeugnis

Nachdem der Grenadier Peter Chr. Tangermann bei dem K�niglichen 1. Garde-Regiment z. Fu� in der Zeit vom 1. M�rz 1848 bis 1. October 1849 pflichttreu gedient und auch seitdem die Treue zu dem K�nige und gute Gesinnung bew�hrt hat, haben Seine Majest�t der K�nig zu befehlen geruht, da� demselben die unter dem 23 August 1851 Allerh�chst gestiftete Denkm�nze f�r wirkliche Kombattanten verliehen wird.
Aschersleben, den 13ten September 1852
von Lagerstr�m
Major und Commandeur des 3. Bataillons
(Aschersleben) 27. Landw.-Regts."

Hallo Stephan,
auf Ihre Frage habe ich Ihnen gestern eine Antwort geschickt und w�sste ganz gern, ob sie �berhaupt bei Ihnen angekommen ist und zur Kenntnis genommen wurde.

Gr��e vom Niederrhein,
G�nther B�hm

G�nther B�hm schrieb:

Das Gefecht am Federbach und im Hirschgrund bei Rastadt war Teil des Feldzuges in Baden 1849. Das Unternehmen richtete sich gegen keinen �u�eren Feind sondern diente der Niederschlagung der "Badischen Revolution" ( Badische Revolution – Wikipedia ), an der auch Friedrich ENGELS beteiligt war (siehe www.mlwerke.de/me/me06/me06_524.htm ). Eine Schilderung des Gefechtes aus preu�ischem Blickwinkel gibt es im Band 2 des Buches "Tagebuch �ber die Ereignisse in der Pfalz und Baden im Jahre 1849 - ein Erinnerungsbuch f�r die Zeitgenossen und f�r Alle, welche Theil nahmen an der Unterdr�ckung jenes Aufstandes" von Oberst-Lieutenant a.D. Daniel STAROSTE, Potsdam 1853. Sie finden es im Volltext in der Google-Buchsuche.

Hallo Stephan,
meine Zuordnung war wohl etwas vorschnell. Dass die Urkunde vom besagten Landwehr-Bataillonskommandeur unterschrieben ist, muss nicht hei�en, dass Ihr Altgro�vater an den Gefechten des 3. Bataillons des 27. Landwehr-Regimens, teilgenommen hat, doch scheint er zum Zeitpunkt der Verleihung in Aschersleben stationiert gewesen zu sein.

Zur Denkm�nze fand sich folgendes:

    "Der ersten Abtheilung des K�niglichen Hausordens ist als eine nur
    einmal zu verleihende Auszeichnung eine Denkm�nze zur Belohnung f�r
    diejenigen Ofsiziere, Unterofsiziere und Soldaten der Armee, so wie
    f�r die Milit�r�rzte und andere Milit�rbeamten im Gefolge der
    Truppen hinzugef�gt, welche in der Zeit vom l. M�rz 1848 bis zum 1.
    Oktober 1849 entweder Gefechten im In- und Auslande beigewohnt oder
    mindestens 14 Tage aktiv gedient, dabei Sr. Majest�t dem K�nig ihre
    Treue bew�hrt und seitdem in dieser Treue und in guter Gesinnung
    nicht gewankt haben, auch nicht unter der Wirkung von Ehrenstrafen
    stehen. Die Denkm�nze ist von St�ckgut, sie zeigt auf der
    Vorderseite den Avers des Ordenskreuzes, auf der R�ckseite die
    Inschrift: �Friedrich Wilhelm 1V. seinen bis in den Tod getreuen
    Kriegern. 1848. 1849. (F�r Nicht-Kombattanten f�llt diese Inschrift
    fort.) Die Denkm�nze wird auf der Brust oder im Knopfloche an dem
    Ordensband getragen. A. K.-O. vom 27. April 1852."

Das 1. Garderegiment zu Fu� war zwar nicht am "Badischen Krieg" beteiligt, statt dessen aber an der Niederschlagung der M�rzrevolution 1848 in Berlin.
Ich zitiere aus Friedrich Wilhelm v.VARCHMIN : Die Jahre 1848 und 1849 - Erinnerungs-Bl�tter dem Ruhme und der Ehre der Preu�ischen Armee geweiht, Berlin, Selbstverlag 1858, S.16 :

"Die militairische Macht, die sich zum Theil erst w�hrend des Kampfes verst�rkte, bestand aus

    1) 2 Bataillonen des *1sten Garde-Regiments zu Fu�* 1200 Mann.
    2) dem 2ten Garde-Regiment zu Fu� 1800 M.
    3) dem Kaiser Alexander Grenadier-Regiment 1800 M.
    4) dem Kaiser Franz Grenadier-Regiment 1800 M.
    5) 1 Bataillon Garde-Reserve-Regiment 600 M.
    6) 1 Bataillon Garde-Sch�tzen 400 M.
    7) 2 Bataillonen des 2, Infanterie- (K�nigs-) Reg. 1000 M.
    8) dem 8ten Infanterie- (Leib-) Regiment 2500 M.
    9) 1 Bataillon 12, Infanterie-Regiment 1000 M.
    10) dem F�silier-Bataillon 31. Infanterie-Regiment 500 M.
    11) 1 Escadron Garde du Corps 150 M.
    12) dem Garde-C�rassier-Regiment 500 M.
    13) dem Garde-Dragoner-Regiment 500 M.
    14) dem Garde-Ulanen-Regiment 500 M.

in Summa aus 14.250 M. mit 36 Gesch�tzen der Garde-Artillerie.

Zum Einsatz der Grenadiere des 1. Garde-Regiments zu Fu� am 18. M�rz 1848 in Berlin a.a.O., S.20 :

    "Wahrend der Kampf in der K�nigstra�e w�thete, griffen gegen sechs
    Uhr Abends die Grenadiere des 1sten Garde-Regiments die Breitestra�e
    und die in ihr vor dem K�lnischen Rathhause, nach der anderen Seite
    der sich hier verengenden Stra�e gelegene Barrikade an. Muthig
    r�ckte das Militair vor, allein die Barrikade war so au�erordentlich
    fest und regelrecht erbaut, da� es eine Thorheit gewesen w�re, um
    den Preis des Besitzes dieser Stra�e ohne Weiteres Menschenleben zu
    opfern. Aus diesem Grunde wurde die Barrikade durch Gesch�tze vom
    Schlo�platz aus beschossen und dann von der Infanterie gest�rmt, die
    nun die starkbesetzten Geb�ude, das Rathhaus und die Conditorei
    d'Heureuse einnahm und s�uberte."

Gr��e vom Niederrhein,
G�nther B�hm