Anfrage Militaer 8. Dragoner., Saalfeld/Pr., Herkunft Anton JOSEPH

Liebe Listenteilnehmer,

ich suche immer noch nach der Herkunft von Anton JOSEPH. Mir ist jetzt
bekannt, dass Anton JOSEPH B�ckermeister und Stadtrat ca. 1800 in Saalfeld in Ostpreu�en war.
Bei den Mormonen habe ich gefunden, dass dort das Dragoner Regiment 08
stationiert war. Hat jemand genauere Informationen �ber dieses Regiment?

Er soll im Zusammenhang mit den Franzosen von Th�ringen nach Ostpreu�en
gekommen sein und er k�nnte Rittmeister gewesen sein.

Wei� jemand etwas �ber die Kirchenb�cher von Saalfeld? In den Verzeichnissen von Berlin und Leipzig habe ich nichts gefunden.

Klaus!

Diese Geschichte "stinkt" an allen Ecken und Enden <sorry>

Die Besetzung Preussens (eigentlich ohne Ostpreußen) durch die Franzosen erfolgt erst nach dem Tilsiter-Frieden
und den haben wir auf den July 1807 in der Schule festgelegt. Selbst der Hinmarsch des Kaisers war erst 1806. I m Jahre 1800 kann also niemand "mit den Franzosen aus Thueringen nach Ostpreußen" gekommen sein. Im siebenjaehrigen Krieg sprachen die meisten "Franzoesischen Besetzer"
in Ostpreussen einen maechtig ostfranzoesischen Dialekt mit kyrillischen Buchstaben.

Das Dragoner-Regiment Nr 8 war ein ostpreussisches Regiment (d.h. aber etwa ein drittel der Soldaten kam aus dem Ausland <Werbung>)

Die Rittmeister-Stellen in der friderizianische Armee <ausser in den Garnison-Regimentern> wurden im Wesentlichen mit Adeligen besetzt.....
Ausnahmen gibt es immer, aber Rittmeister mit Zivilberuf: Baeckermeister ist doch sehr: Kratz, kratz, kratz ungewoehnlich.

Was kann ich mir denn vorstellen: Also erst mal 13 Jahre spaeter <mitten in den Freiheitskriegen> da stellten die ostpreussischen Staende die
Nationalkavallerie auf..... Na, ja Dragoner waren das eignetlich auch nicht, aber da gab es durchaus buergerliche Vorgesetzte: es war halt eine Freiwillige Miliz:

Ernst

Liebe Listenteilnehmer,

ich hatte noch vergessen zu schreiben, dass Anton JOSEPH 1763 geboren
sein soll.

Hallo Ernst,

Diese Geschichte "stinkt" an allen Ecken und Enden <sorry>

Das war mir leider schon klar. Und die leichten Probleme kann ich ja
selbst lösen, für die schwierigen Probleme hatte ich schon auf dein
Wissen gesetzt. :wink:

Die Besetzung Preussens (eigentlich ohne Ostpreußen) durch die
Franzosen erfolgt erst nach dem Tilsiter-Frieden
und den haben wir auf den July 1807 in der Schule festgelegt. Selbst
der Hinmarsch des Kaisers war erst 1806. I m Jahre 1800 kann also
niemand "mit den Franzosen aus Thueringen nach Ostpreußen" gekommen
sein.

Ich hätte das _ca_ 1800 deutlicher hervorheben sollen. Ich vermute, dass
Anton JOSEPH nach der Schlacht von Waltersdorf (5.2.1807) und der Schlacht
von Pr.Eylau (8.2.1807) in Saalfeld auftauchte. Eine Familiengeschichte
besagt, dass er als Bäcker mit den Franzosen mitzog und beim Poker das
Gut Lomp gewonnen hat.
Nach den Unterlagen, die ich bisher gesehen habe, war aber der erste
Besitzer von Lomp sein Sohn Carl JOSEPH. Der es anscheinend _richtig_
gekauft hat. Das erste _belegte_ Datum ist die Geburt der Tochter
Henriette von Carl JOSEPH am 24.10.1822 in Saalfeld. Daraus ergaben
sich meine Vermutungen.

Familiengeschichten sind sowieso so eine Problem. Es gab in zwei
Generationen einen Carl JOSEPH, in der Überlieferung ist eine Generation
komplett weggefallen.

Das Dragoner-Regiment Nr 8 war ein ostpreussisches Regiment (d.h. aber
etwa ein drittel der Soldaten kam aus dem Ausland <Werbung>)

Die Rittmeister-Stellen in der friderizianische Armee <ausser in den
Garnison-Regimentern> wurden im Wesentlichen mit Adeligen besetzt.....
Ausnahmen gibt es immer, aber Rittmeister mit Zivilberuf:
Baeckermeister ist doch sehr: Kratz, kratz, kratz ungewoehnlich.

Da beruht meine Vermutung wieder auf einer Überlieferung. Mein Großvater
Arnold JOSEPH (dazu hattest du mir schon einmal weitergeholfen) war
Hauptmann und angeblich sollte er zum Major befördert werden und hat
abgelehnt, weil alle seine Vorfahren auch Hauptmann (bzw. Rittmeister)
waren.

Was kann ich mir denn vorstellen: Also erst mal 13 Jahre spaeter
<mitten in den Freiheitskriegen> da stellten die ostpreussischen
Staende die
Nationalkavallerie auf..... Na, ja Dragoner waren das eignetlich auch
nicht, aber da gab es durchaus buergerliche Vorgesetzte: es war halt
eine Freiwillige Miliz:

Das mit den Dragonern ist auch eine Vermutung von mir. Ich vermute,
dass mehr Mitglieder der Pr. Armee in Ostpreußen hängen blieben als
Franzosen und die Mormonen führen unter Saalfeld das 8. Dragoner
Regiment. Ob meine Vermutung stimmt???

Viele Grüße aus dem Münsterland
Klaus Bartels

Lieber Herr Bartels,
ich will der mail von Ernst Hoffmann noch ein paar Informationen
hinzuf�gen.

Das Dragoner-Regiment Nr. 8 von Esebeck wurde 1744 in Magdeburg durch
Teilung des Dragoner-Regiment Nr. 7 aufgestellt. Nach dem 2. Schlesischen
Krieg (1745/46) wurde es in Ostpreu�en stationiert, Garnisionen waren
Insterburg und Ragnit. Nach dem 7-j�hrigen Krieg, an dem es die ganze Zeit
teilnahm, wurde es 1764 geschlossen in Insterburg stationiert und
verblieb an diesem Standort bis 1806 - nur untzerbrochen von den Feldz�gen
in B�hmen 1788 (Erbfolgekrieg) und Polen 1794/95 (3. polnische Teilung).
1806 / 07 nahm es am Krieg gegen Frankreich teil. Es geh�rte zu dem
Reservekorps und entging so der Katastrophe der Schlacht bei Jena und
Auerstedt und k�mpfte in der Schlacht bei Pr. Eylau. Der
Mannschaftsersatz wurde aus Teilen des Kreis Insterburg und den St�dten
Insterburg, Pillkallen, Ragnit, Schirwindt und Stallup�nen rekrutiert.

In Saalfeld war seit 1802 eine Eskadron des Dragoner-Regiment Graf von
Herzberg Nr. 9 stationiert. Dieses regiment wurde 1741 aus Abgaben des
Dragoner-Regiment Nr. 1 von Platen aufgestellt. Es wurde am, 7. November
1806 durch die Kapitulation von Ratekau aufgel�st. Rest des regiments
gingen im Ulanen-Regiment Nr 1 auf.
Der Mannschaftsersatz dieses Regiments kamn aus den Kreisen Mohrungen und
Marienwerder sowie den St�dten Marienwerder, Riesenburg, Bischofswerder,
Freystadt, Rosenberg, Garnsee und Liebem�hl.

Nach dem Friedensvertrag von 1808 wurde im K�nigreich Preu�en eine Neue
Armee aufgestellt. In diese Armee wurde das Dragoner-Regiment Nr. 8 von
Esebeck �bernommen und bekam die neue Bezeichnung "2. Westpreussisches
Dragoner-Regiment von Esebeck". Eine Eskadron dieses Regiments wurde in
Saalfeld stationiert. Dies blieb bis 1852 so. Der Mannschaftsersatz f�r das
Regiment wurde aus Westpreu�en rekrutiert. 1819 wurde das Regiment in ein
K�rassier-Regiment umgegliedert und trug nun die Bezeichnung " 5.
K�rassier-Regiment (2. Ostpreussisches).1852 wurde das Regiment nach
Schlesien verlegt, und nach den Einigungskriegen (1866 und 1870 / 71)
wieder zur�ck nach Westpreussen. Letzte Standorte 1914: Riesenburg.
Rosenberg, Dt.-Eylau.

Vielleicht liegt eine Verwechselung vor, die durch die Tatsache begr�ndet
ist, da� das Dragoner-Regiment von Esebeck 1808 unter neuer Bezeichnung
auch in Saalfeld stationiert wurde. Wenn Ihr Anton JOSEPH um 1800 Stadtrat
und B�ckermeister in Saalfeld gewesen ist, dann war er auch B�rger und
konnte so nicht f�r die Armee (zwangs-)rekrutiert werden. Und schon
garnicht in Westpreu�en f�r ein Ostpreussisches Regiment. Daf�r, da� das
nicht passierte, gab es ja die Kantonseinteilung in Preu�en. Ich halte es
f�r wahrscheinlicher, da� er 1813, zu Beginn der Freiheitskriege, als
Freiwilliger in das Regiment von Esebeck eingetreten ist und im Rahmen der
Familien�berlieferung das Dragoner-Regiment Nr. 8 der alten Armee und das
2. Westpreussische Dragoner-Regiment der neuen Armee vertauscht wurden -
weil es derselbe Regimentsinhaber war - .

Ich halte es allerdings auch f�r nahezu unm�glich,da� er zu dieser Zeit in
einem aktiven Regiment Rittmeister gewesen sein soll. Als Freiwilliger 1813
mag er es im Verlauf der Freiheitskriege bis 1815 vielleicht zum
Unteroffizier geschafft haben, gleich ob in einem aktiven Regiment oder
bei einer Landwehrformation.

Ich kenne derartige, durch m�ndliche Familientradition im besten Wollen
entstandenen, "Bef�rderungen" auch aus meiner eigenen Familiengeschichte,
wo aus einem Oboisten in der Regimentskapelle im Laufe von 150 Jahren ein
"Musikmeister" (=Hauptmann), oder aus einer einfachen kleinadeligen
westpreu�ischen Offizierstochter eine "Gr�fin" wurde (die nat�rlich weit
unter ihrem Stand heiratete als sie den Regimentsoboisten zum Manne nahm).
Derartige Familienlegenden gibt es viele. Nichts f�r ungut.

Mit freundlichen Gr��en aus dem sch�nen M�nsterland
Hans-Christoph Surkau

-----Urspr�ngliche Nachricht-----