Altes Vokabular

Ein herzliches Dankeschön für die schnellen Antworten!

Der Begriff Leibzucht war mir bisher nur bekannt als ein Rückzug auf ein
„Altenteil“ für die Bauern und Witwer oder Witwen. Also bedingt und
ausgelöst durch die Auffahrt der jungen Erbberechtigten.

Was mich im geschilderten Fall stutzig macht: - Wieso in dem geschilderten
Fall, nach einjähriger Ehe? Die beiden frisch vermählten gingen ja wohl
nicht aufs Altenteil.

Der allgemeine Begriff der Leibzucht verunsichert mich hier schon.

Schöne Grüße aus Münster und eine erholsame, gute Nacht

Eduard (Niermann)

Nabend Eduard,

ich verstehe das so, dass die junge Ehefrau erst nach einem Jahr Ehe einen Versorgungsanspruch hat.

Freundliche Grüße,

Fred (Drießen)
http://genwiki.genealogy.net/Benutzer:Driessen
(genealogische Visitenkarte bei CompGen)

bei der leibzucht handelte es sich um reine altenversorgung. da die kirche grosse moralische vorgaben durchsetzte konnten die alten leute natürlich nicht unverheiratet zusammenleben sondern mussten heiraten. für die hofbesitzer war das auch eine schöne ersparnis.
gruss horst

Hallo Fred,

konkret konnte das im 18. Jhdt bei einen Bauernhof so aus sehen:

"dah nuhn der Supplicantienen "mutter und stief vatter" alß noch lebende alte wehrfester, den in ao 1741 gethanen Abstandt mit dem vorbehalt doch repetirt, daß die administration an sich halten, biß denen die junge Eheleuthe alß gleichfallß knecht und mägde mit ihrer arbeith ihnen getrewlich beystehen, sie dagegen mit ihren kinderen (Zur Leibzucht) in nachkünftigen Eßen und trinken frey unterhalten werden und dahbeneben für Kleidung und Nohtpfennig 2 schefel gesay landes ./. welche die alte begeilen und bearbeiten laßen sölten ./. frey abnutzen, und 2 Spindt Linns ihnen annue gesähet werden sölten, wan sie alte aber denen jungen Eheleuthen die administration übertragen würden, sich 4 schefel gesay landes und 1/2 Scheffel zum Linnesähen ./. welche vom Erbe gedünget und bearbeithet werden müßen ./. so lang sie beyde lebten, sonst nuhr zur halbscheidt, frey nebst nohtürftigen Essen und trinken, ab zu nutzen vorbehalten haben wolten, .....

Guten Morgen Fred und Bodo,
falls für Euch von Interesse, nachstehender Link über die Geschichte der Leibzucht:
http://www.physiomagnus.de/amshausen.de/in/rw87/rw87.htm
Allenfalls viel Spass beim Lesen.
Wünsche weiterhin noch einen schönen Tag.
Gruss
Rolf Willmanns

Danke

Freundliche Gr��e,

Fred (Drie�en)
http://genwiki.genealogy.net/Benutzer:Driessen
(genealogische Visitenkarte bei CompGen)

Hallo Rolf,

den Hinweis habe ich hier eingebunden:

http://wiki-de.genealogy.net/Leibzucht#Literatur

Danke,

Gru�, Bodo

An dieser Stelle herzlichen Dank an alle Einsender zum Begriff:
"beleibzüchtigen" und auch Leibzucht!
Wenn ich es bisher richtig verfolgt habe, dann geht es in den Beiträgen
ausschließlich um die Leibzucht der Bauern. Beim Adel muss man
wahrscheinlich andere Maßstäbe anlegen und ich fand im Internet (bei Google
beleibzüchtigen eingeben, dann auf Gründliche Geschlechtshistorie des
Hochadlichen Hauses der Herrn [von Münchhausen] folgenden Beitrag anklicken:

"... Wenn mit Bewilligung des Lehnherrn ein dotalitium [auch Morgengabe]
oder Leibzucht der Ehefrauen des Vasallen in dem Lehn gestiftet wurde, so
ward sie auch zuweilen damit beliehen, welches beleibzüchtigen hieß ... "
[Das gesamte Werk ist bei E-Book-Kostenlos einsehbar. Auch unter Gottlieb
Samuel Treuer]
Wenn auch Münchhausen mit im Spiel ist, so denke ich, diesem dort darf man
trauen!

Die sogenannte Morgengabe wurde der Braut (die hierfür unbedingt eine sein
musste, Witwen waren also davon ausgeschlossen) nach der Hochzeitsnacht
präsentiert!
Warum in meinem geschilderten Fall darüber 1 Jahr vergehen sollte bleibt
immer noch ein Rätsel.

Hier auch ein besonderer Dank an Winfried Hofmann, er ist gedanklich auf der
gleichen Spur und könnte sich vorstellen, dass in dem Jahr möglichst auch
Nachwuchs erwartet wurde. - Das könnte vielleicht eine plausible Erklärung
sein.

Es wäre schön, wenn hierzu jemand mehr sagen könnte.

Freundliche Grüße aus Münster
Eduard (Niermann)