Alte Deutsche Friedhof in Boyadel

Hallo an alle Boyadel Forscher,

ich war in der vergangenen Woche in Boyadel/Grünberg.
Mein Hauptziel war der restaurierte Friedhof mit den alten Grabsteinen.
Folgende Grabsteine konnte ich halbwegs lesbar fotografieren:

1. Barnitzke, Bohne, Gaile
2. Berndt, Anna Rosina
3. Burghardt, Dorota
4. Burghardt, Szygmund
5. Dederke, Eleonora geb. Henschke
6. Drange, Wilhelm
7. Eckert, Therese
8. Franke, Eleonore
9. Fricke, Friedrich
10. Henschke, Luise geb. Henrion
11. Herrmann, Paul
12. Hotschicke, Jachulke
13. –itzke
14. Kleibert, Weronika
15. Kliche, Rosina geb. Werner
16. Kliche, Samuel
17. Kretschmer, Johann Gottfried
18. Rick, Elisabeth geb. König, Fam. Taatsch
19. Schulz, Gottlieb
20. Seidlitz, Katarzyna
21. Seidlitz, Otto

Ich habe zwar wesentlich mehr Steine fotografiert aber auf Grund der Lichtverhältnisse
und der einfachen Kamera konnte ich nicht mehr entziffern.
In der nächsten Woche bin ich wieder in Boyadel, sollte Jemand Fragen zu diesen
Grabsteinen haben bin ich gern bereit Daten zu diesen zu notieren.

Auf Google Earth gibt es zu diesem Friedhof zwei Fotos auf dem Grabsteine zu sehen
sind die heute nicht mehr da sind, weis Jemand wo diese abgeblieben sind?

Desweiteren gib es einen Hinweis das eine/r U Rutsch diese Grabstelle in 2009 Restauriert hat,
da mein FN auch Rutsch ist wäre ich an einem Kontakt interessiert.

einen schönen Sonntag wünscht

Peter (Rutsch)

Hallo Peter,

aus: Deutsches Reichs-Adressbuch für Industrie, Gewerbe und Handel, 1898, Seite 2218:

BOYADEL. Dorf. Kreis Grünberg,
Amtsg. Kontopp, Landg. Glogau.
1654 Einw. Eisenbahn Neusalz a. O.,
Nittritz, Züllichau Eisenbahn Post Telegraph
Agent, u. Kommiss. * Rosenthal, M.
Bäcker. Brauer, E. - Lausch, Th. - Zircke, E.
Baugesch. u. Unternehm. Werner.
Bierbrauereien. Riehn, Th.
Böttcher. Dittich, G.
Brennnereien. v. Kottwitz, Baron.
Fleischer. Behle, H. - Senftleben , Ww.
Gasthöfe. Laube, G. - Thiel, E. - Tietze, P.
Getreidehdlg. * Rosenthal, M.
Kolonial- u. Spezereiwaren. * Buchholz, A.
Manufaktur- u. Modewaren. * Buchholz, A. - * Rosenthal, Max.
Maschinenbau-Anst. Bohne, G.
Mühlen. Brauer I, H. - Brauer II, H. - Fechner, F.
Sägewerke. Werner, G.
Sattler u. Riemer. Conrad, M. - Werner, H.
Schmiede. Dimke, F. - Kleinitzke, F. - Tietze, H.
Schneider. Dederke, W. - Freiberger, E.
Schuhmacher. Katzur - Ricke, H.
Stellmacher. Tietze, W.
Tischler. Bohne, H. - Diskar, H. - Geppert, E.
Tapezr. u. Dekorat. Conrad, M. - Werner, H.
Ziegeleien. * v. Kottwitz, Baron - Lange, Wilh.

* Handelsgerichtlich eingetragene Firma.

Gruß Andreas

Hallo Peter,
wir hatten schon mal Kontakt miteinander.
Die u.a. Namen kommen bei meinen Vorfahren nicht vor. Vielleicht gibt es aber doch noch Brauers (so hieß meine Großmutter mit dem Mädchennamen)? Möglicherweise auch Wianke, Kuscholke, Körber, Rissmann, die allerdings aus Milzig und Saabor kamen.
Einen schönen Gruß nach Boyadel
Heinz (-Günter Zick)

Hallo Peter,

es freut mich zu hören, dass in Boyadel der Friedhof restauriert wurde. Handelt es sich dabei um den evangelischen Friedhof? Im benachbartem Kolzig ist ja der evangelische Friedhof komplett verschwunden. Die Grabsteine wurden angeblich zum Bau von Ställen für die Nutriazucht verwendet.

Solltest Du auf dem Friedhof in Boyadel auf Habermann stoßen, wäre ich sehr daran interessiert. Ein Zweig der Familie Habermann ist im 19. Jh. nach Boyadel gegangen. Die paar Daten aus den verfilmten Kirchenbüchern sind mir bekannt. Im übrigen sollen die evangelischen Kirchenbücher von Boyadel 1945, beim Versuch diese zu retten, verloren gegangen sein. Angeblich ist das Boot, auf dem sich die Bücher befanden bei Eisgang gekentert und die Bücher sind in der Oder versunken. Diese Aussage stammt von dem katholischen Pfarrer zu Kolzig.

Viele Grüße
Dirk Habermann

Hallo und guten Tag,
da habe ich aber andere Geschichten gehört. Sehr viele verbissenen, katholischen Pfarrer haben alles protestantische bei der Übernahme vernichtet. Grabsteine wurden umgetreten und anschließend vernichtet. Kirchenbücher lagen im Schlamm und Dreck auf der Straße. Die evangelischen Kirchenbücher, Pastorenbekleidung etc. wurde hasserfüllt verbrannt. Noch in der Grundschule erzählte uns unser damaliger Geschichtslehrer, dass selbst die Leichen von Postorenfamilien, schrecklich verstümmelt gesehen hat. Sie wurden, so unser Lehrer dammals, unter der Aufsicht katholischer Pfarrer auf das grausam zu Tode gequält. Aus der Tschechei gibt es ähnliche Berichte.
Das die katholischen Polen heute einen evangelischen Friedhof erhalten, sogar restauriern, ist erstaunlich und lobenswert. Die Zeit heilt Wunden, sagt man nicht umsonst.

Viele gute Grüße
Ekkehart

Ekkehart W. (Herforth)
Hamburg
mailto: Ahnen@Herforth.de

http://www.herforth.de

Hallo in die Runde!
Bin erst gestern aus Polen zurückgekommen und lese die Mail`s. Ja, auch heute kann man diese Friedhöfe noch sehen. Aber jede Geschichte hat eine Vorgeschichte. Es gibt nichts zu entschuldigen. Viel Unrecht ist da geschehen,
auch vorher. Schwierig aus unserer Perspektive die richtige Sicht der Ereignisse zu bekommen.
Ich traf jedenfalls jede Menge nette, freundliche, hilfsbereite und herzliche Menschen. Dabei ist besonders ein katholischer Pfarrer zu erwähnen. Oberhalb von Lauenburg in Pommern, Richtung Norden zur Ostsee zu, fand ich einen evangelischen Friedhof,der noch gepflegte Gräber aus der Zeit nach dem 2. WK hatte. Ein Zeichen, daß sich nicht alle angepaßt hatten und es auch möglich war sich als Protestant zu bekennen.
Neulich habe ich irgendwo in der Liste gelesen, daß es in Polen viel mehr Spaß macht Familienforschung zu betreiben. Das kann ich nur bestätigen. Wenn man weiß welche Standesämter für die Bücher zuständig sind, oder Pfarrämter, sind die Erfolgsaussichten um vieles höher als in Deutschland. Im Archiv darf man fotografieren ohne etwas bezahlen zu müssen.
Viele Grüße Kurt