Ursula Christoph schrieb:
Ich nehme an, dass man in Schlesien mit dieser Vornamenkombination v.a. Treue zum lutherischen Protestantismus bekunden wollte.
hmmm, Ausnahmen bestätigen die Regel. Im kath. KB von Neurode findet man bis etwa 1790 immer wieder die Vornamen: Joannes Georgius, Joannes Nepomuk usw. Selten nur mal ganz schlicht Franciscus. Aus dem Grund würde ich diese Kombination nicht als typisch lutherische Vorliebe ansehen.
Hallo Ursel,
sicher hat man versucht, die diese Vornamenkombination in alle Richtungen, v.a. in die katholische, umzufälschen, doch ist ihr Ursprung ziemlich eindeutig
Johann = Johannes HUS
Georg = der hussitische König Georg von Kunstadt und Podiebrad,
also auch nicht lutherisch sondern hussitisch.
Dass mit der Heiligsprechung des Johannes von Nepomuk bewusst die Erinnerung an Johannes Hus verdrängt werden sollte, ist offensichtlich und unbestritten. Dazu unter http://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Nepomuk:
"Nach der Legende, die zur Heiligsprechung des Johannes von Nepomuk
führte, entsprang sein Streit mit dem König nicht dem
kirchenpolitischen Konflikt, sondern seiner Weigerung, das
Beichtgeheimnis zu brechen. Demnach habe der Priester dem König
nicht preisgeben wollen, was dessen Frau ihm anvertraut habe.
Deshalb habe Wenzel ihn foltern und anschließend von der Prager
Karlsbrücke ins Wasser stürzen lassen.
Bereits im Dreißigjährigen Krieg ließ Graf Jaroslav Bořita von
Martinitz in seinem Prager Palais eine Nepomukkapelle errichten. Der
Prager Erzbischof Ernst Adalbert von Harrach bemühte sich in Folge
als erster um die Heiligsprechung und wurde darin seit den 1670er
Jahren auch von Kaiser Leopold I. persönlich unterstützt. Unter
anderem sollte dadurch die Erinnerung an den anderen böhmischen
Johannes, den »Ketzer« Johannes Hus, verdrängt werden."
Und der Heilige Georg, einer der "vierzehn Nothelfer", wurde auf Veranlassung von Papst Paul VI. sogar aus dem katholischen Heiligenkalender gestrichen. 1975 jedoch, noch zu Lebzeiten Pauls VI., tauchte er wieder im Römischen Generalkalender auf. In Böhmen war die Georgsverehrung immer vor allem eine Reminiszenz an den orthodoxen Glauben (in dem er als Groß- oder Erzmärtyrer verehrt wird) des Großmährischen Reiches mit seiner muttersprachlichen Liturgie und Predigt. Die älteste Kirche auf dem Prager Hradschin ist die romanische St.-Georgs-Basilika.
Grüße vom Niederrhein,
Günther (Böhm)