Hallo liebe Mitstreiter,
heute habe ich drei allgemeine Anfragen zu Vornamen:
1. Bei meinen Vorfahren in Niederschlesien taucht einige male der Vorname "Johann George" auf. Was hat es damit auf sich? Warum "George" und nicht "Georg", wie es heute üblich ist? Oder wird beides gleich ausgesprochen (wohl eher unwahrscheinlich!)? Jedenfalls schien "Johann George" eine Zeit lang recht beliebt gewesen zu sein...
2. Zum Vornamen "Johann". Bei sehr vielen Vorfahren findet sich "Johann" unter den Vornamen. "Johann Gottfried", "Johann Heinrich" oder eben "Johann George" usw. Stimmt es, dass man davon ausgehen kann, dass "Johann" nicht der eigentliche Rufname war, sondern lediglich ein in evangelischen Gebieten gern gegebener weiterer Vorname?
3. Die Problematik mehrerer Vornamen generell: in Standesamtsurkunden oder Kirchenbucheinträgen findet man oft sämtliche Vornamen, die einer Person bei der Geburt gegeben wurden. Auf welche Weisen kann man heraus finden, welches der eigentliche Rufname war? Manchmal gelingt das durch Abgleich, wenn z.B. in der Geburtsurkunde drei Vornamen in der Sterbeurkunde aber nur einer auftaucht usw. Gibt es da noch andere Tricks?
Grüße, Stephan
Hallo Stephan,
zu Deinem "Namensproblem" ein paar Antworten:
Im 17.Jahrhundert haben die Eltern (wahrscheinlich mit Unterst�tzung des Pfarrers) ihren Kindern gerne
sehr christliche Vornamen gegeben. Georg wurde von den KB-Schreibern (oft die Pfarrer selbst), in
gebildetem Latein Georgius oder nur George geschrieben. Die Eltern riefen ihr Kind aber sicherlich nur Georg
oder, wie ich schon mal gelesen habe" G�rge".
Der st�ndig dazugenommene Name Johann (Joannes oder Johannes) war einfach �blich. 1. hie� der Vater
schon so und die Sitte, die Kinder nach den Eltern zu taufen, hatte zur Folge, dass sich die Namen immer wieder-
holten. Das kann in der Ahnenforschung hilfreich sein, aber auch schwer irritieren.
Sp�ter dann, im 18.und 19. Jhdt. bekamen die armern Kinder 5-6 Vornamen, in denen alle Paten und sonst noch
wichtige Personen enthalten waren.Die Frage nach dem Rufnamen erf�hrst Du am besten bei der Eheschlie�ung
und bei den Kindstaufen, da werden n�mlich nur ein oder h�chstens zwei Vornamen erw�hnt.
Nach meiner Erfahrung ist oft der letzte Name auch der Rufname!
Habe ich Dir etwas helfen k�nnen?
Gru� Helga
Stephan H�rtel schrieb:
Hallo Stephan und Helga
Ich möchte die Frage noch erweitern.
Warum wurde der Vorname z. B. durch "de Paula" erweitert?
Gruß Rudolf
Hallo,
ich würde vermuten, dass es sich hier um ein Kind handelt, welchem in diesem
Falle der Name des Heiligen Franziskus de Paula gegeben wurde. Ein im
katholischen Raum üblicher Brauch.
Beste Grüße, Peter
Hallo Stephan,
die Vergabe von Vornamen hing auch viel mit der politischen Situation zum
Zeitpunkt der Taufe zusammen.
Ich habe festgestellt, dass z.B. im Hamburg während der Franzosenzeit viele
Kinder französische (oder französisch klingende Vornamen) erhielten. Das
Kind hieß dann z. B. George statt Georg.
Gruß Wilhelm
Stephan Härtel schrieb:
Hallo liebe Mitstreiter,
heute habe ich drei allgemeine Anfragen zu Vornamen:
1. Bei meinen Vorfahren in Niederschlesien taucht einige male der Vorname "Johann George" auf. Was hat es damit auf sich? Warum "George" und nicht "Georg", wie es heute üblich ist? Oder wird beides gleich ausgesprochen (wohl eher unwahrscheinlich!)? Jedenfalls schien "Johann George" eine Zeit lang recht beliebt gewesen zu sein...
Hallo Stephan,
der ursprünglich griechische Vorname Geórgios [Γεώργιος = Schöpfer der Erde; Γεωργός = Landmann, Ackerbauer] hat ja auch im Lateinischen eine Endung (-us), ihr Ruffall ist [Georg]-e. Beliebt war der Name vor allen wegen seiner Doppeldeutugkeit (Erdenschöpfer + Landmann) und weil der drachentötende Heilige von den Protestanten mit Martin Luther identifiziert wurde (Drache = Papst und Vatikan).
Johann Georg hießen vier (lutherische) Kurfürsten von Sachsen. Erst J.G. IV. starb kinderlos. Sein Nachfolger und Bruder Friedrich August I. ("August der Starke") konvertierte dann zum Katholizismus, um den polnischen Thron besteigen zu können. Johann Georg hieß auch ein (lutherischer) Kurfürst von Brandenburg. Ich nehme an, dass man in Schlesien mit dieser Vornamenkombination v.a. Treue zum lutherischen Protestantismus bekunden wollte.
Grüße vom Niederrhein,
Günther Böhm