1704 Joannes Blaaser im Sterberegister Oggelsbeuren

Liebe Mitforscher,

wieder fehlen mir Lateinkenntnisse:

Hier der Sterbeeintrag von Joannis Blaaser oo Anna Pfänder in Oggelsbeuren.

Die Familie bei FS:

Ich lese:

Joannes Blaaser Riedlings per seales deri densirbi sepulti

Google macht daraus: Joannes Blaaser Riedlinger aus Schuppen wurden Densirbi begraben

Da es sonst keinen Sterbeeintrag in Oggelsbeuren gibt nehme ich an es ist der Joannes Blaaser aus der Ehe oben der in Riedlingen verstorben ist. Ich müsste also eine Todfahl oder ein Hofübergabedokument nach seinem Absterben irgendwo suchen um das zu bestätigen. Gibt der lateinische Satz etwas mehr Information?

Hat vielleicht schon mal jemand hier geforscht?

VG

Steffi (Schosser)

Hallo Steffi,

lese und übersetze das so, wobei mir vor ibi ein Buchstaben nicht erklärlich ist:

Joannes Blaaser Riedlingen(sis) per scalas decidens ?ibi sepultus.

Johannes Blaser, ein Riedlinger, über die Leiter/Treppen hinabstürzend, ? hier begraben.

VG, Franz

Hallo Steffi:

Ich lese „per scalas decidens ubi sepultus“, was soviel wie ‚über die Treppe hinunter begraben‘ bedeuten soll.

Früher wurden die Gemeindemitglieder manchmal in den Kapellen begraben, ich weiß nicht ehrlich, ob es früher auch in Deutschland Sitte war.

Liebe Grüße, Pablo

Hallo midnand,

danke, Pablo. „ubi“ heißt das statt „ibi“.

Dann könnt ich mir vorstellen:

„wo er beerdigt ist“.

Das würde sich dann auf Riedlingen beziehen. d.h. der Oggelsbeurer Pfarrer hat ihn in Riedlingen beerdigt.

Das gäbe Sinn.

VG, Franz

Hallo,

Ich lese: Joannes Blaaser, Riedlingo per scalas decidens, ibi sepultus.

Riedlingo ist dasselbe wie Riedlingensis, also Riedlinger, von Riedlingen.

Der Google Übersetzer liefert zwar für per scala decidens = die Treppe runter, das würde dann heißen: die Treppe runter, dort beerdigt.

Das glaube ich aber nicht. Es fehlt hier im Eintrag das omnis provisus, das spricht dafür, dass er verunglückt ist und keine letzte Ölung bekommen hat. Ich glaube eher, dass er auf der Treppe gestürzt ist (decidere = herunterfallen). Dann kommt ein Komma als Satztrenner. Das ibi sepultus bezieht sich dann auf Riedlingo, er wurde also dort in Riedlingen begraben.

Leider sieht man das ganze Blatt nicht. In der Spalte Pfarrer dürfte dann ein Name stehen, der nur in diesem Eintrag vorkommt und nicht der parrochus loci ist.

Viele Grüße

Martin

Vielen Dank an alle!

Dann haben wir:

Joannes Blaaser Riedlingen(sis) per scalas decidens ubi sepultus.

  • Johannes Blaser, ein Riedlinger, über die Leiter/Treppen hinabstürzend, ? hier begraben.

  • Es fehlt hier im Eintrag das omnis provisus, das spricht dafür, dass er verunglückt ist und keine letzte Ölung bekommen hat. Ich glaube eher, dass er auf der Treppe gestürzt ist (decidere = herunterfallen). Dann kommt ein Komma als Satztrenner. Das ibi sepultus bezieht sich dann auf Riedlingo, er wurde also dort in Riedlingen begraben.

  • Joannes Blaser, zu Riedlingen von der Treppe gestürzt, wo er beerdigt wurde.

→ Auch im Riedlinger FS Index gibt es den Sterbeeintrag: , d.h. dann passt ja alles zusammen.

Ich bin ja immer wieder beeindruckt was wir für Lateinexperten in der Liste haben, echt toll.

Viele Grüße

Steffi (Schosser)

und hätte ich erst das Heimatbuch Oggelsbeuren gründlich gelesen wäre die Antwort schon da gewesen:

Hans B l a s e r (1703-1704), am 15.12.1703 zum Schultheiss in Ogg. ernannt. Auf welchem Haus er wohnte, ist nicht bekannt, vermutlich auf Haus Nr. 85 (Xaver Liebhart, Schneidewebers). Er betrieb einen Spezerei­handel. Bei der Amtsübernahme muss er schon bejahrt gewesen sein, denn er hatte schon 31 Jahre vorher geheiratet. Schon im folgenden Jahre verun­glückte er (25.7.1704) tödlich, indem er in Riedlingen die Treppe (oder Leiter) herunterfiel (per scalas decidens; Totenreg. ). Er wurde in Riedlin­gen beerdigt.

Gruß

Steffi

… fast genauso ging es mir vor kurzem, als mir mein Bruder Auszüge aus dem Heimat?Buch von Schmalegg/RV zuschickte. Sein Kommentar: Hätt ich doch nur das Ding genauer angeschaut, hättest Du nicht so ewig nach Zorell/Zurell, Funkenhausen und Knörle, Bäche usw. suchen müssen.

Unabhängig davon ist es auch spannend bis witzig, was manche Lokalhistoriker*innen über ihre/unsere Vorfahren zum Besten gaben.

Wenn jemand 31 Jahre verheiratet war, muss er dann schon bejahrt gewesen sein? 1672 hatte man/frau nach dem Chaos und den Gräueln des 30j Krieges ziemlich früh geheiratet. Er könnte mit 20, 25 oder 30 geheiratet haben. Dann wär er vllt. um die 60 gewesen.

Gut, dann kommt gleich die strittige Diskussion über die Lebenserwartung damals und heute. Meine Hypothese: Kindersterblichkeit (in Oberschwaben bis über 50 %) aufgrund von Kinderkrankeiten rausgerechnet, kommen wir auf vergleichbare Werte wie heute.

Ganz unabhängig vom Alter muss man/frau „bloß huudle, um e Dräbbe oder Laidre nab zkeie“. Verglichen mit heute: Wer zu schnell fährt, landet im Graben, am Baum oder frontal im nächsten Auto.

VG, Franz

Riedlingae (nicht Riedlingensis): Das heißt: In Riedlingen (nicht: ein Riedlinger)

ubi sepultus: wo er begraben wurde (das heißt: in Riedlingen, nicht in Oggelsbeuren)

-----Original-Nachricht-----

Hallo,

Ich lese: Joannes Blaaser, Riedlingo per scalas decidens, ibi sepultus.

Riedlingo ist dasselbe wie Riedlingensis, also Riedlinger, von Riedlingen.

Der Google Übersetzer liefert zwar für per scala decidens = die Treppe runter, das würde dann heißen: die Treppe runter, dort beerdigt.

Das glaube ich aber nicht. Es fehlt hier im Eintrag das omnis provisus, das spricht dafür, dass er verunglückt ist und keine letzte Ölung bekommen hat. Ich glaube eher, dass er auf der Treppe gestürzt ist (decidere = herunterfallen). Dann kommt ein Komma als Satztrenner. Das ibi sepultus bezieht sich dann auf Riedlingo, er wurde also dort in Riedlingen begraben.

Leider sieht man das ganze Blatt nicht. In der Spalte Pfarrer dürfte dann ein Name stehen, der nur in diesem Eintrag vorkommt und nicht der parrochus loci ist.

Viele Grüße

Martin