nein - ein Tag zum Feiern ist der 08. Mai für mich nicht. Für mich ist der 08 Mai ein Tag zum (Ge)Denken.
Ich gedenke der Opfer der von im wesentlichen vom Deutschen Reich entfesselnden Katastrophe.
Ich gedenke der Toten, der entwurzelten, deportierten, gequälten, diskriminierten Kinder, Frauen und Männer
Ich gedenke der Opfer aller betroffenen Nationen.
In meiner Familie und in meinem Freundeskreis sind Angehörige vieler Opfergruppen zu finden.
Aus der Gruppe derer, die im Zuge der Heim-ins-Reich-Aktion schon im Februar 1941 ihrer Heimat, Familien und Selbstbestimmung beraubt wurden.
Aus der Gruppe von jüdischen Menschen, die wegen der Entwertung ihrer Existenz in Konzentrationslager kamen und alles verloren haben.
Aus der Gruppe derer, denen bei Todesstrafe die rechtzeitige Flucht vor der Front aus der Stadt Eydtkuhnen verwehrt wurde.
Aus der Gruppe derer, die als Wolfkinder bezeichnet werden.
Aus der Gruppe der Kriegsgefangenen, Gefallenen und Vermißten.
Aus der Gruppe der Nachgeborenen, die auch heute noch die seelischen Folgen zu tragen haben.
Aus der Gruppe...usw. usf.....
Ich wünsche mir, daß das "Nie wieder" gilt.
Ich wünsche mir, daß nicht von "Die" im Gegesatz zu "Uns" gesprochen wird und daß Mitgefühl nicht eine Gruppenzugehörigkeit voraussetzt.
Ich wünsche mir, daß wir aus der Geschichte (und nicht nur dieser einen) lernen. Geschichte ist niemals ein Fliegenschiß.
Ich fühle mich nicht schuldig für die Vergangenheit. Ich fühle mich verantwortlich für die Zukunft.
Für mich ist der 08. Mai der Tag der Befreiung vom Krieg - mit der Möglichkeit des Neuanfanges und der Notwendigkeit der Warnung für kommende Generationen.
Die Bedeutung dieses Tages kann für mich auch im Hinblick auf aktuelle nationale und internationale Entwicklungen gar nicht hoch genug eingeschätzt werden.
In diesem Sinne grüße ich herzlich alle LeserInnen dieser Liste.
Grit Linster
ja, Sie haben völlig recht, dieser Tag ist nicht zu feiern -- nirgendwo, also auch nicht weltweit !
Sie haben das jetzt alles sehr gut umfassend zusammen vorgetragen, dafür danke ich Ihnen.
Ich habe als Nachkriegsgeborener meinen Kriegsdienst (Bundeswehr) mit meinem Gewissen verweigert und dafür meine 18 Monate Friedenszeit (Zivildienst) damals geleistet was ich nie bereut habe. Auch meine beiden Söhne haben das gemacht und darauf bin ich stolz ....
Ich habe als Nachkriegsgeborener meinen Kriegsdienst (Bundeswehr) mit meinem Gewissen verweigert und dafür meine 18 Monate Friedenszeit (Zivildienst) damals geleistet was ich nie bereut habe. Auch meine beiden Söhne haben das gemacht und darauf bin ich stolz ....
und ich bin stolz darauf, in den Nachkriegsjahren als Soldat auf Zeit als Staatsbürger in Uniform meinen Dienst geleistet zu haben!
Und auch auf meinen Sohn, der in UNO-Friedensmissionen als Soldat auf dem Balkan tätig war!
Bedeutet dies eine Spaltung meiner Familie, wobei die im Osten weiterhin keine Freiheit erleben durften.
Bedeutet das für meine Mutter ein über 2-jähriges Leid bis zur Vertreibung aus Pommern im September 1947, dass sie als junges Mädchen erleiden musste und bis heute nicht erzählt!
Dieses Datum kennzeichnet das Ende der Nazidiktatur, aber hatte das auch etwas mit "Befreiung" zu tun?